Hier werden bei Frauen Kurven als schön angesehen. Das heißt, je mehr Oberweite und Hintern (und dabei möglichst noch ein flacher Bauch) desto besser. Mit kurz rasierten Haaren werden sie als junges Mädchen wahrgenommen, Braids (natürliches Haar oder mit Künstlichem verlängert), längere Haare im Zopf, Perücken oder seltener auch Rastas sind normal. Sehr auffällige Haarfarben oder Frisuren kennzeichnen Prostituierte. Schminke wird eigentlich nur zu besonderen Anlässen getragen. Wimperntusche gibt es nur in Fachgeschäften 🙁 , stattdessen kann man überall künstliche Wimpern kaufen.

Fast alle Männer tragen hier einen Bart, zumeist einen Kinnbart, teilweise aus religiösen Gründen, aber auch, weil sie dann als erwachsen gelten. Die Haare sind kurzrasiert, das kennzeichnet „gute Jungs“. Mit z.B. Rastas ist die Wahrscheinlichkeit, von der Polizei, die hier viele Kontrollen durchführt, aufgegriffen zu werden sehr viel höher. Nägel sollten gepflegt sein, gutes Benehmen und gesellschaftliches Ansehen sind wichtig.



Ich dachte, wenn hier kaum Weiße leben wird es auch kaum eine Diskriminierung wegen schwarzer Hautfarbe geben, außer vielleicht in Ämtern und Botschaften. Tja – nicht ganz richtig. Viele hier glorifizieren die weiße Hautfarbe. Das heißt, nicht nur haben einige das Bild, dass Weiße bessere Menschen seien, vor allem aber gilt es aus irgendeinem Grund als unheimlich cool, mit Weißen befreundet zu sein. 
Außerdem werden helle Haut und glatte Haare als Schönheitsideal betrachtet. Nicht nur Perücken und Haarglättungsmittel werden in Mengen verkauft, sondern erschreckenderweise auch Hautbleichungscremes. In der Schule hatten einige Lehrerinnen merkwürdige dunkelschwarze Flecken auf den Wangen. Ich habe mit einem Freund darüber gesprochen, was das sei, vielleicht Muttermale oder ein Make-Up-Trend? Er hat mir erklärt, dass sich die Haut nachhaltig verändert, wenn Menschen sehr lange Bleaching-Creme benutzen. 
Mir haben schon mehrere Kinder gesagt, dass sie meine Haare und Hautfarbe wollen und ich weiß nicht mehr, wie viele Menschen mir mitgeteilt haben, dass ich „beautiful“ sei, auch wenn ich gerade Pickel habe und mich so gar nicht attraktiv fühle.

Ich habe es also sehr leicht, Kontakte aufzubauen. Ich bin, außer Mara, die leider in zwei Wochen abreist, die einzige Weiße meiner näheren Umgebung, außer beim Feiern und in der Schule. Dort sehe ich andere Weiße, meistens GVIs, die oft nur ein paar Wochen bleiben. Wenn ich durch die Straße laufe, werde ich von Babys, die noch nie eine Person meiner Hautfarbe gesehen haben, groß angeguckt, Kinder rufen mir „Hello“ zu und sind aufgeregt, wenn ich antworte. „Obroni“ (=Weiße) werde ich trotzdem nicht gerne genannt, weil es mich irgendwie stigmatisiert. Ich werde mindestens jeden zweiten Tag von Männern nach meinen Kontaktdaten gefragt (am Anfang noch öfter als mittlerweile), auch wenn ich mit meiner Figur keinesfalls dem allgemeinen, eher „barocken“ Schönheitsideal entspreche, scheint meine Hautfarbe alles wieder wettzumachen.

Was schwer für mich ist, ist wahre Freunde zu finden: Die weder mein Geld oder ein Visum wollen oder wegen des Ansehens mit mir befreundet sein möchten. Zum Glück haben Mara und Issah mich in ihren Freundeskreis und die Theatergruppe eingeführt. So habe ich schon ein paar gute Freunde gefunden und einige oberflächliche, aber sehr lustige Bekanntschaften geschlossen. Generell ist es leichter, Männer kennenzulernen als Frauen, die sich ein wenig zurückhaltender verhalten. 
Was ich vermisse, sind Umarmungen: Hier werden sie nicht so standardmäßig verteilt. Dafür gibt es eine besondere Art, sich die Hände zu schütteln und dabei zu schnipsen, Freunde halten manchmal Händchen.

Hier in Kokrobite wird man zum Glück eher nicht ungewollt angegrapscht. Auf dem einem von den zwei Festivals, wo ich bisher war, sah es damit allerdings anders aus. Die Männer hier sprechen übrigens nach meinem Gefühl viel mehr die Frauen an, als ich es je erlebt habe. Es ist generell schwieriger, „Körbe“ zu verteilen, weil „nein“ zu sagen sehr unhöflich wäre und viele Männer hier aber dezente Hinweise nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Meine Lieblingsausrede ist, dass ich in Eile irgendwohin (z.B. zu meinen Freunden) muss. Oder ich lasse mir die Telefonnummern der Männer geben und lösche sie danach einfach wieder. Die lustigste Anmache, die Mara und mir bisher passiert ist, lautete übrigens „You look like Jesus“. Ich finde meinen Bart auch sehr attraktiv, muss ich sagen 🙂 Ich hatte aber insgesamt noch nie das Gefühl, in einer gefährlichen Situation gelandet zu sein.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Kokrobite eine einzige Gerüchteküche ist (wie das in kleinen Dörfern halt so ist), aber ich habe das Gefühl, dass hier beide Geschlechter sehr viel fremdgehen.

GESPRÄCHE

Am Anfang war ich ein bisschen verloren darin, Gespräche zu führen. Ich musste mich erstens an den Akzent gewöhnen (vor allem beim Flüstern und Telefonieren habe ich immer noch Probleme, alles zu verstehen). Je besser die Schulbildung der Person – der Unterricht ist auf Englisch – desto besser verstehe ich sie. Es ist total beeindruckend, die meisten Leute sprechen mindestens drei oder vier Sprachen fließend und noch ein paar andere teilweise.

Mein zweites Problem war die Themenwahl in Unterhaltungen: Es gibt hier nicht viele Jobs, das heißt, man kann manche Leute nicht über ihre Arbeit ausfragen. Ich wusste nicht, ob das verletzend oder unhöflich wirken könnte. Aber: Nein, ich beschäme die andere Person nicht, wenn sie keine Arbeit hat, und auch die Frage nach dem Alter ist hier kein Fauxpas. Viele Leute reden gerne über ihre Familie. Auch interessant: „How are you?“ wird fast immer an eine Begrüßung drangehängt, auch wenn man nur im Vorübergehen Personen grüßt, die man nicht kennt. Generell wird hier beim Laufen durch die Straßen eigentlich die ganze Zeit gegrüßt und zum Beispiel mit Kopfhörern rumzulaufen wäre gefährlich, weil man „sinnesgetrübt“ prompt jemanden übersehen und damit eine große Unhöflichkeit begehen könnte.

Ich liebe an der ghanaische Sprechart, dass sehr expressiv gesprochen wird und mit emotionalen Lauten auf den Gesprächspartner reagiert wird. 
Beispiele sind „Ayy“ = Mitgefühl und „Quwe“ = Wow. Nervig dagegen ist für mich, dass Probleme nicht direkt angesprochen werden, sondern häufig über Dritte weitergetragen werden.

Mit engeren Freunden in Ghana kann ich über genau die gleichen Themen reden wie in Deutschland. Das ist einfach das gute Gefühl von „eine sichere Basis haben“.

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