Wenn ein Mensch stirbt, werden Plakate aufgehängt, um an ihn zu erinnern und den Beerdigungstermin zu verkünden. Je nach Wohlhaben und Einfluss der Familie variieren Größen und Platzierung der Plakate.

Ich war bisher auf zwei Beerdigungen – beide waren so verschieden wie Tag und Nacht.

Die erste Beerdigung hat eher an ein riesiges Straßenfest erinnert. Eine „Queen Mother“ ist gestorben – die Mutter des „Kings“. Ghana ist zwar eine Demokratie, jedoch sind auch traditionelle Hierarchen zum Beispiel beim Landkauf (durch Abgaben) noch involviert. Es gibt „Kings“, die über „Chiefs“ herrschen, die auch eine Rangfolge untereinander haben. Die Chiefs verwalten einzelne Gebiete und werden wiederum von „Subchiefs“ unterstützt. Man wird in seine Position hineingeboren. Wer eine dieser Positionen innehat, hat große Verantwortung und wird auch bei Streitereien oder Geschäftsvermittlungen konsultiert, um Probleme zu lösen. Teilweise müssen auch Verfehlungen der Regierung ausgeglichen werden. Das Ganze geht natürlich ebenfalls einher mit Macht, Geld und vor allem sozialen Ansehen.

Zurück zum Thema. Die ganze Beerdigung war also ein ziemlich großes Ding. Es waren geschätzt etwa 1000 – 1200 Leute da, die mehrere Straßen gefüllt haben. Ein riesiger Bereich in Accra wurde dafür abgesperrt. Die Festivitäten für die Mutter eines Königs können mehrere Wochen dauern, die für den König währen die Feiern noch länger.

Typische Beerdigungsfarben sind rot, schwarz, weiß und braun. Die Kleidung ist auf eine bestimmte Weise gemustert. Je nachdem, wie alt der/die Verstorbene geworden ist und ob der Tod ein Unfall war, wird die Farbe gewählt. Bei Leuten über 70 ist das oft Weiß, sonst zumeist Rot und/oder Schwarz. Ein ziemlich beeindruckender Anblick, das Ganze!

Geopferter Ochse
Sarg


Es wurde getrommelt. Einige Tiere wurden auch geopfert: Jede Menge Ziegen und Hühner und auch ein Ochse, dessen beeindruckenden Kadaver ich anschauen durfte. Dann waren noch so traditionelle Krieger da, die (ich glaube mit Platzpatronen) in die Luft geschossen haben. Und Gruppen mit auch traditionellen Kämpfern, die mit Stricken herumgewedelt haben. Bei denen musste man aufpassen und schnell aus dem Weg gehen, denn wenn einen ein Strick berührt – so wurde mir gesagt – kommen alle von ihnen an und verprügeln einen mit den Stricken. Es wurde kostenlos Wasser verteilt und Familienmitglieder der Verstorbenen haben für alle Anwesenden gekocht. Wie sich das alles jemand leisten konnte? Vor dem Beerdigungsfest wird Geld gesammelt von allen möglichen Verwandten und Freunden. Daran, wie viel Geld man gibt, wird gemessen, wie sehr man den Verstorbenen angeblich geliebt hat. Einige Leute finden das nicht so schön. Sie sagen, dass sich niemand für dich interessiert, wenn du am Leben bist und unter Umständen leidest, aber wenn du tot bist, kommen alle und wollen Aufmerksamkeit. Das Geld würde lieber für die Toten ausgegeben und nicht für die Lebenden.

Insgesamt auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung!


Die zweite Beerdigung war sehr traurig. Es war die Beerdigung einer Absolventin der Sunbeam School, die ich leider nicht kennenlernen durfte. Winnefred ist 14 Jahre alt geworden und innerhalb eines Tages an dem Versagen eines Organs gestorben. Es nahmen ungefähr 100 Leute an der Zeremonie teil, unter anderem ein Teil der Lehrer, die Abschlussklasse und die Stufe darunter. Das Ganze startete relativ langwierig und wirklich laut, mit Gebeten und einigen Liedern. Zwischendurch musste man aufstehen und ein bisschen in die Hände klatschen, dann wieder sich hinsetzen. Das Ganze ging etwa zwei Stunden und fand auf Ga statt. Dann wurde der kleine Sarg an den Leuten vorbei in eine Hütte gebracht und die ersten Leute begannen zu weinen. Die Mutter tauchte kurz auf und wurde direkt wieder weggebracht, weil sie nur am Schreien war. Man konnte dann in die Hütte gehen und den Leichnam der Kleinen anschauen. Unsere Schule war als Letztes dran, und wir sahen die Leute einen nach dem anderen die Hütte betreten und schluchzend wieder rauskommen. Als wir dann an die Reihe kamen, sah ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Leichnam. Ich konnte zwar nur im Vorbeigehen einen Blick auf Winnefred erhaschen, aber für mich sah sie mehr aus wie eine Puppe als ein Mensch. Und so, so jung. Fast alle Schüler und die meisten Lehrer waren nun am Weinen, eine befreundete Schülerin brach zusammen und fing an, Winnifreds Namen zu schreien, die Schulleiterin musste aufrecht gehalten werden, weil sie so sehr weinte. Ich selber hatte die ganze Zeit Tränen in den Augen, fand aber nicht, dass es mir zustand zu Weinen, weil ich Winnefred nicht kannte.


Dann wurde der Sarg verschlossen und herausgebracht. Wir Sunbeam-Leute versammelten uns um den Sarg und die Schulleiterin hielt eine kleine Grabrede. Danach sangen wir ein paar schöne Lieder und hielten einander währenddessen an den Händen. Wir setzten uns wieder hin und es wurde noch ein bisschen gebetet. Es wurde ein Eimer bereitgestellt und Geld gesammelt, damit die Familie die Beerdigung finanzieren konnte. Noch ein paar andere Menschen kamen zum Sarg, unter anderem der Vater, der auch schluchzend weggebracht wurde, weil er nicht von Sarg wegtreten wollte, der nun auf den Friedhof gebracht werden sollte. Ein paar Jungs der Sunbeam wurden zu Sargträgen ernannt, und mit Trommlern im Anhang machte sich die Prozession auf dem Weg zum Friedhof. Mit dem Sarg wurde dabei getanzt, er wurde rhythmisch hoch- und runtergehoben oder die Träger liefen im Kreis.

Das war die erste Schülerin der Sunbeam, die so jung gestorben ist, und hoffentlich auch die Letzte. Alles zusammen hat mich sehr berührt. Nachdem ich die trauernden Eltern und Freunde gesehen habe, kann ich mir zum ersten Mal ein bisschen vorstellen, was der Verlust eines geliebten Menschen wirklich bedeutet.

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