In den ersten drei Monaten, die ich hier war, war ich die ganze Zeit über gesund. Danach hatte ich immer wieder mit kleinerem und mittelgroßem Unwohlsein und Infektionen zu kämpfen. Ob es einfach eine Lebensmittelvergiftung war, entzündete Wunden oder Malaria … ich hatte einen regelrechten „Lauf“.

Zunächst einmal eine gute Nachricht: Es gibt hier total viele Apotheken, die gut ausgestattet sind und verschiedene Krankenhäuser unter staatlicher oder privater Führung. Und das ist gut so: Bei Fieber oder länger andauerndem Unwohlsein wird angeraten, sich schnell in eine Klinik begeben. Ich denke mir immer, ich würde übertreiben, wenn ich bei z.B. wegen Fiebers ins Krankenhaus gehe.  Aber letztendlich können Tropenkrankheiten doch noch mal eine Nummer schlimmer sein als Krankheiten in Deutschland. Wie gesagt, Krankenhäuser gibt es viele, aber die Qualität des Krankenhauses und der Behandlung hängt stark vom Preis ab, den man bereit ist, zu zahlen (oder den man sich leisten kann). Meistens gehe ich in eine relativ günstige Klinik zwanzig Minuten entfernt von Kokrobite. Die machen ihren Job dort eigentlich ganz gut, aber man bekommt extrem schnell (Breitband-)Antibiotika verschrieben. Ich weiß nicht, ob das an der Nachlässigkeit der zur Klinik zugehörigen Apotheke liegt,  aber es wurde auch schon einmal vergessen, mir ein Medikament auszuhändigen oder die Einnahmedauer aufzuschreiben. Außerdem werden gerne Vitamine zusätzlich zu den meisten Medikationen verordnet, aber das könnte auch eine Masche zum Geldverdienen sein. Generell gilt: Je mehr Geld man hat, desto besser ist die Krankenversorgung. Ich habe schon wirklich tragische Geschichten mitbekommen von Eltern, die sich nicht leisten konnten, ihre Kinder zum Arzt zu bringen. Schlimm wird das, wenn durch deren fortschreitende Krankheiten bleibende Schäden wie z.B. Blindheit entstehen oder die Personen sogar sterben. Eine gesetzliche Krankenversicherung gibt es natürlich nicht und die verfügbaren Krankenversicherungen sind meistens teuer und sinnlos, wurde mir gesagt.

Viele hier in Kokrobite wenden sich hier der pflanzlichen Medizin zu und nutzen Tees usw., um Krankheiten zu kurieren. Dieses Wissen wird über Generationen weitergegeben und ist beeindruckend groß. Durch die Behandlung mit Kräutern kann zumeist ein Arztbesuch vermieden werden. Und z.B. kann man durch das tägliche Trinken eines bestimmten Tees Malariaprävention betreiben. Es ist so beeindruckend, ich wünschte, ich würde mich besser auskennen in Kräuterkunde.Das Wissen über ausgewogene Ernährung ist leider wirklich nicht groß, dafür raucht fast niemand Zigaretten.

MALARIA – MEINE ERFAHRUNG

Obwohl ich mich mit Mosquitoschutz eingeschmiert habe, abends in langer Kleidung rumgelaufen bin und mein Bett durch ein Insektennetz geschützt ist habe ich es trotzdem geschafft, Malaria zu bekommen. Zuerst dachte ich, ich hätte etwas Falsches gegessen: Ich musste mich ein paarmal übergeben, hatte ein bisschen Fieber, aber am nächsten Tag ging es mir wieder besser und ich bin sogar mit einer Freundin noch nach Cape Coast gefahren. Eine Woche später habe ich abends wieder Fieber bekommen und mich wirklich nicht gut gefühlt. Da habe ich es schon geahnt. Am darauffolgenden Tag sind wir dann zur Malaria-Test-Station gefahren (Malariatests sind übrigens soo günstig, unter 2 € !) und mein Ergebnis war positiv. Ich machte mir aber keine Sorgen, die Parasitenkonzentration in meinem Blut betrug 537 (keine Ahnung wie diese Einheit genannt wird, nennen wir‘s „Biest“), und alle Konzentrationen zwischen 500 und 1000 Biest sind total ungefährlich, wurde mir gesagt, und bei guter Behandlung ist Malaria nicht anders als eine fiese Grippe. Außerdem hatte ich ja noch die Stand-by-Medikation, die mein deutscher Arzt im Rahmen der Reiseimpfungen und -vorsorge verschrieben hatte, für den Fall, dass ich Malaria bekäme. Ich fing an, diese Medikamente zu nehmen.

Darum fand ich es dann aber doch eher verwunderlich, dass ich am Abend 39,6 Grad Fieber bekam und das Ganze nur mit Ibuprofen unter Kontrolle zu bringen war. In der Nacht fror ich wie selten in meinem Leben und verschiedene Körperteile von mir zuckten mehrere Stunden lang unwillkürlich. Am Morgen schließlich hatte ich wieder 39,6 Grad Fieber. Da sind Issah und ich dann doch lieber ins Krankenhaus gefahren, diesmal im Gegensatz zu sonst in eine etwas teurere Privatklinik. Dort führten die Ärzte ein paar Tests an mir durch und ließen mich dann lange warten. Dann wurde ich ins Arztzimmer gerufen. „Ja, deine Parasitenkonzentration liegt bei über 10.000, du hast die komplexe Variante der Malaria tropica und wir behalten dich jetzt drei Tage hier“. Ich wurde in ein Krankenhausbett gelegt und mir wurden gefühlt 1000 Medikamente durch eine Infusion eingeflößt. Mir war total unangenehm, dass mir die ganze Zeit Tränen aus den Augen kamen, aber irgendwie kam alles so plötzlich und ich wollte wirklich nicht die schlechten Nachrichten nach Deutschland schicken. Als meine in dieser Situation völlig hilflose Mutter informiert war, war ihr erster Gedanke, dass ich ja im Notfallflieger nach Deutschland geschickt werden könne, wenn es ganz schlimm wird. Ich klärte sie darüber auf, dass ich definitiv lieber von ghanaischen Ärzten auf Malaria behandelt werde als von Deutschen. Hier haben die Leute nämlich ein „kleines bisschen“ mehr Erfahrung mit der Behandlung dieser Krankheit und Zugriff auf andere Medikamente.





Apropos: Nochmal zurück zu der Stand-by-Medikation, die ich auf Anraten meines Arztes in Deutschland genommen habe: Es stellt sich heraus, dass diese nur gegen die einfache Version der Malaria gewirkt hätten. Wurde mir aber nicht gesagt und konnte ich auch nicht aus dem Beipackzettel interpretieren. Was lernen wir daraus? Malariamedikamente besser direkt in Ghana kaufen.

Nun ja … Im Krankenhaus bekam ich dann Besuch von Issah und einer Freundin – mein Freund wollte mich nicht allein lassen, blieb sogar über Nacht bei mir und schlief auf einem Stuhl. Überraschenderweise wurde ich am nächsten Tag schon entlassen, bekam aber jede Menge Medikamente (darunter natürlich auch wieder ein Antibiotikum) mit. Diese musste ich zu verschiedenen Zeiten regelmäßig zusammen mit Mahlzeiten einnehmen. Das war eine Quälerei – mir war permanent übel (wahrscheinlich eine der vielen Nebenwirkungen) und ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben keinen Appetit oder Hunger (!). Außerdem peinigten mich Kopfschmerzen trotz sechs Paracetamol-500-Tabletten am Tag, ich hatte total lebhafte Träume und ich war unglaublich schwach. Ich konnte kaum zur ca. 25 m entfernten Küche laufen. Mir war schwindelig und manchmal war selbst das Atmen anstrengend. Aber es wurde besser. Und schon eine Woche nach der Diagnose ging es mir wieder recht gut. Jetzt musste ich nur schön viel essen, um wieder zuzunehmen 🙂

Übrigens: Mit der Malariadiagnose endet meine Blutspende-Karriere in Deutschland für immer. Dafür war ich drei Wochen nach meiner Infektion in Ghana Blutspenden. Das ist übrigens auch eine andere Sache hier: Nach der Spende bekommt man nur Kakao und Kekse und davor muss man sogar noch Geld für einen Hepatitis B-Test zahlen. Das Ganze lief aber nach meinem Gefühl unter hygienischen Umständen ab.

Traurig ist, dass in Ghana sehr viel Geld bezahlt werden muss, wenn man eine Blutspende benötigt. Obwohl das Blut von freiwilligen Spendern kommt, die wie gesagt nichts anderes als Kakao und Kekse bekommen. Die einzige Möglichkeit, die Kosten niedrig zu halten ist, wenn Angehörige a´la „Ringtausch“ in oder kurz nach der Notsituation Blut spenden – ich habe auch für eine Bekannte gespendet. Ich finde es relativ traurig, dass die Krankenhäuser aus diesem Blutspenden so sehr versuchen, Profit zu schlagen. Eine Freundin, die in einem Krankenhaus arbeitet, hat sogar mitbekommen, wie ein Mensch gestorben ist, weil er das Blut nicht bezahlen konnte und es ihm deshalb zu spät gegeben wurde.

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