Mir war es sehr wichtig, einen Freiwilligendienst zu machen. Ich werde mit 17 mein Abitur haben und will auf keinen Fall direkt nach meiner Schulzeit anfangen, zu studieren. Ein Freiwilligendienst ist eine tolle Gelegenheit, aus der gewohnten Umgebung herauszukommen.
Dass ich in eines der Länder Afrikas reisen wollte, stand für mich ebenfalls fest. Ich will aus meinem gewohnten Umfeld raus – ich habe Fernweh, ich will eine Kultur kennenlernen, die sich von der Westlichen stark unterscheidet, auch nicht nur kurz, sondern ein ganzes Jahr lang, um mich richtig einleben zu können. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, in der ein selbst für Deutschland sehr hoher Lebensstandard herrscht und bin mir meines Glückes theoretisch sehr bewusst. In eine Gegend zu gehen, in der man auch praktisch erlebt, dass zum Beispiel eine funktionierende Infrastruktur oder warmes, sauberes Wasser keine Selbstverständlichkeit sind, war mir wichtig – praktische Erfahrungen lassen einen einfach vieles noch mehr wertschätzen als theoretisches Wissen, denke ich.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf die Idee mit Namibia gekommen bin. Ich wusste von der Kolonialisierung durch Deutschland und einige Leute, wie zum Beispiel meine Basketballtrainerin, haben mir tolle Sachen über ihre Freiwilligenzeit in diesem Land erzählt. Meine Motivation, in dieses Land zu gehen, kam aber woanders her – ich hatte einfach nur ein Gefühl, dass mich dahin zog. Meine Mutter, beruhigte es, dass in den größeren Städten Namibias eine mit dem in Deutschland existenten Gesundheitssystem vergleichbare Versorgung herrschte.
Ich habe mich dann über Organisationen informiert, die Freiwillige nach Namibia „schicken“ und stieß dabei das erste Mal auf den Begriff „Weltwärts“. Ein Weltwärts ist für Freiwillige im Grunde das Gleiche wie ein FSJ, es wird aber aus anderen Quellen finanziert und beide Dienste schließen unterschiedliche Leistungen mit ein. Beworben habe ich mich schließlich bei den „Freunden der Erziehungskunst Rudolph Steiners“, dem „Deutschen Roten Kreuz“(DRK) und dem „Freundeskreis Afrika e.V.“ Ich bewarb mich zuerst bei einer mit den „Freunden der Erziehungskunst Rudolph Steiners“ verbundenen Schule. Kurz danach schickte ich die Bewerbung für das DRK los.
Falls jemand von Euch, liebe Leser, darüber nachdenkt, sich für einen Freiwilligendienst zu bewerben, möchte ich Euch warnen: Unterschätzt die Zeit nicht, die ihr mit den Bewerbungen verbringen müsst! Jede Organisation möchte verschiedene Informationen in verschiedenen Formaten. Oft wird ein Lebenslauf, eine Vorstellung der eigenen Person und ein Motivationsschreiben gefordert, aber es variiert von Organisation zu Organisation, welche Informationen enthalten sein müssen und in welcher Form sie vermittelt werden sollen – einmal musste ich erklären, welches Tier ich sein würde, wenn ich kein Mensch wäre, und warum!
Die „Freunde der Erziehungskunst Rudolph Steiners“ hatten ein sehr kompliziertes und langwieriges Bewerbungsverfahren und ich machte mir Sorgen, sowohl dort als auch beim DRK nicht angenommen zu werden. Also informierte ich mich weiter und entdeckte die Website des Freundeskreis` Afrika e.V. Ich war zunächst ein wenig misstrauisch – auf der Website konnte ich keine Beschreibung der Einsatzstellen finden. Ich beschloss, der Organisation trotzdem eine Chance zu geben und rief einen auf der Website angegebenen Kontakt an und fragte nach. Mir wurde das Ganze kurz erklärt und ich erhielt die Einladung zu einem Gespräch, wo ich mehr Informationen erhalten sollte und die Leute auch mich kennenlernen konnten.
Was genau wir bei dem Termin besprochen haben, erzähle ich im nächsten Blogeintrag. Auf jeden Fall hatte ich einen sehr positiven Eindruck von der Organisation und erhielt eine mündliche Zusage für eine Einsatzstelle. Kurz davor war übrigens eine E-Mail vom DRK mit einer Einladung zu einem Bewerbungsgespräch gekommen, mit der ich mich als nächstes befasste. Im Anhang standen die Einsatzstellen, die das DRK noch zu besetzen hatte – ich fand keine davon interessant und sagte das Gespräch ab.
Nach einem zweiten, ebenfalls sehr positiv verlaufendem Gespräch mit dem Freundeskreis Afrika und einer Absage für die Bewerbung für die mit den „Freunden der Erziehungskunst Rudolph Steiners“ verbundene Schule verwarf ich die Überlegung, mich auch für das mit der Organisation verbundene Waisenhaus in Omaruru zu bewerben – anfangs war ich begeistert von dieser Idee und glaubte, mich um die angekündigten AIDS-Waisen kümmern zu können, doch ich hatte zunehmend Zweifel, ob ich psychisch verkraften könnte, wenn ein Kind an AIDS stürbe.
Ich schloss mich also auf die Freunde Afrikas ein.