Ich hatte also ellenlange Listen für Handgepäck und Koffer geschrieben, mir den Kopf über Gastgeschenke und passende Kleidung zerbrochen und einen Jahresvorrat Sonnencreme zugelegt. Dann war der Tag der Abreise da … meine Eltern und ich fuhren nach Frankfurt. Nach einer kurzen Nacht im Hotel erwachten wir am 21. September. Wir mussten schon um 5 Uhr morgens aufstehen. Ein guter „Zeitpuffer“, denn wir sind am Flughafen durch einige Sperrungen ein bisschen herumgeirrt, aber danach doch ganz gut durchgekommen. Und dann musste ich meinen Eltern Tschüss sagen.
Es ist komisch, ich dachte die ganze Zeit, am Flughafen oder im Flugzeug muss ich total weinen, weil ich realisiere, dass ich all meine Menschen ein Jahr nicht sehe, aber die Realisation lässt bis heute auf sich warten. Und so habe ich in den letzten Tagen sowohl auf meiner von meinen Freundinnen organisierten Abschiedsparty als auch bei den privateren Treffen danach insgesamt kaum eine Träne vergossen. Die Verabschiedung von meinen Eltern war schon schlimm für mich, aber nicht so schrecklich, wie sie hätte sein können.
Meine beiden Flüge klappten super: Selbst das Umsteigen verlief problemlos. Ich mochte den zweiten Flug. Brussels Airlines hat auf den Monitoren vor uns eine Sicherheitseinweisung in Form eines eigenen Songs mit Musikvideo bereitgestellt und wir bekamen jede Menge leckeres Essen umsonst. Während des Fluges freundete ich mich mit einer Engländerin an, die ihre Familie für einen Überraschungsbesuch auf der Geburtstagsparty ihres Neffen besuchte. Sie „adoptierte“ mich, als wir am Flughafen ankamen, und zusammen schafften wir es durch die strengen Sicherheitskontrollen.
Endlich bekamen wir dann unser zum Glück komplettes Gepäck und in der Flughafenhalle sah ich Issah und Mara dann zum ersten Mal persönlich, die mich herzlich begrüßten. Issah fuhr auf seinem Motorroller nach Hause und Mara und ich nahmen ein Auto. Ihr müsst wissen, in Ghana gibt es viele verschiedene Apps, die wie Uber funktionieren, und so kann man sich günstig fortbewegen. Es gibt wirklich viele Leute, die als „Transporteure“ arbeiten, weil nicht viele Menschen ein Auto besitzen. Wir fuhren – ohne Anschnallgurt! – über die heilen Straßen von Accra zu den nicht ganz so heilen Straßen von Kokrobite. Der Verkehr war der Wahnsinn, ich habe gerade meinen Führerschein bekommen und bin WIRKLICH froh, dass ich dort nicht fahren muss. An Ampeln stürzten sich Menschen zwischen die Autos, um ihre Ware anzubieten oder zu betteln.
Ghana riecht anders als Deutschland und Kokrobite hat einen ganz besonderen Geruch. Hier riecht es nach Meer, Sonne, Feuer und Holz. Es gibt nur ein oberirdisches Abwassersystem und Mara meinte, deshalb kann es hier auch recht unangenehm riechen. Die Luft hier fühlt sich irgendwie „weich“ an, wie in Deutschland manchmal an lauen Sommerabenden. Und natürlich ist es warm. Ich habe Mara im Auto gefragt, ob gerade Regenzeit ist, und sie hat mir erzählt, dass durch den Klimawandel die Regenzeit in Ghana nicht mehr so klar eingegrenzt ist wie früher. Nur die Trockenzeit, wo es richtig heiß wird, ist immer noch klar in den Wintermonaten begrenzt.
Als wir ankamen, unterhielten wir uns noch und ich begrüßte Issahs Tante Moda, die mir mein Essen kocht. Grüßen ist übrigens sehr wichtig in Ghana. Ein „Hello“ reicht nicht, man sollte „Good morning“, „Good evening“ oder „Good afternoon“ wünschen. Und so ziemlich jede Person grüßen, die man kennt, und sich bei den Älteren vorstellen. Und in einer Bar haben wir uns bei einer Flasche Wasser dann noch besser kennengelernt und ich habe erfahren, dass Issah als Essenszulieferer arbeitet. Das wenige Geld, das er für meine Betreuung bekommt, wendet er zum Beispiel für die Pflege seines Vaters auf, der einen Schlaganfall hatte und dem das Haus gehört.
Ich habe noch soo viel zu erzählen, ich hoffe, ich finde in den nächsten Tagen genug Zeit!
Abschied und Flug
- Insa Potthast
- Ein Kommentar
1 Kommentar zu „Abschied und Flug“
Oh man, was ein Anfang… Freut mich aber total, dass du so gut angekommen bist und gut dabei bist, dich einzugewöhnen! Bin schon gespannt auf den nächsten Beitrag 🙂