Sauber muss es sein!
WASCHEN
Ich habe keine Waschmaschine. Das heißt: es wird mit der Hand gewaschen. Jedes einzelne Teil. Und das funktioniert so:
1) Vorbereitung: Die zwei Waschschüsseln stelle ich mir im Schatten auf, damit ich bei der Arbeit nicht in der Sonne verglühe. Man sollte außerdem möglichst morgens waschen, damit man nicht in der Mittagshitze schmoren muss und die Wäsche tagsüber trocknen kann. Dann hole ich mit meinen Eimern aus dem Badezimmer Wasser von den Wassertanks. Ich muss für das Befüllen der Schüsseln mit meinen Eimern drei- oder viermal Wasser holen. Neben die Schüsseln stellt man einen Eimer mit Wasser befüllt auf, und daneben noch einen leeren Eimer. Glaubt mir, das Wasserschleppen macht keinen Spaß.
2) Waschen mit Seife: Man gibt einen Löffel Waschpulver ins Wasser, und wenn man weiße, sehr schmutzige Wäsche hat, kommt noch ein wenig Bleiche dazu (Wenn man Bleiche benutzt, wechselt man natürlich das Wasser vor der Buntwäsche – Die Bleiche kann man gut ins Klo schütten, um Gestank wegzubekommen. Die Toilette ist ohne fließend Wasser natürlich schwieriger sauber zu halten). Die hellen Kleidungsstücke packt man zuerst ins Wasser. Jedes Kleidungsstück wird nun erstmal ausgebreitet, dann wird jede einzelne Stelle mit methodischer Reihenfolge gründlich gerubbelt, danach wird noch einmal gröber jede größere Fläche des Stückes gewaschen und dann noch einmal das ganze Teil komplett durchgewalkt. Flecken bearbeitet man extra. Schließlich wringt man das Kleidungsstück aus – gründlich, damit auch die Seife rausgeht, aber vorsichtig – vor allem bei engen Sachen oder polyesterhaltigen, damit sie nicht ausleiern. Als Nächstes kommt dann das Wäschestück in die zweite Waschschüssel mit reinem Wasser. Das Ganze wird wiederholt, bis alle Kleidung sauber aussieht.
3) Seife rauswaschen: Das ist ziemlich selbsterklärend, man spült die Seife aus der Kleidung raus. Man wäscht sie so lange im beistehenden Eimer mit Wasser, bis man meint, dass sie seifenfrei sind. Das kann dauern. Wenn die Textilien dann endlich sauber sind, wringt man sie nochmal aus und legt sie in den Eimer ohne Wasser.
4) Aufhängen: Die Wäsche bringt man nun im Eimer zu Wäscheleine und hängt sie auf. Farbige Kleidung auf links gedreht, damit die Sonne sie nicht zu sehr ausbleicht. Sobald das Ganze trocken ist, sollte man es abhängen, damit die Sonne der Kleidung nicht zu sehr schaden kann. Bevor man alles einsammelt, muss man es ausschütteln, damit man keine ungebetenen Insekten in Haus mitnimmt. Fertig!
Der ganze Vorgang ist superaufwändig und anstrengend. Ich unterschätze jedes einzelne Mal die Dauer. Aber wenigstens wäscht Issah, der fließend Wasser hat, meine Bettlaken in seiner Waschmaschine. Dafür bin ich sehr dankbar, weil das Bettlakenwaschen noch eine ganz andere Liga ist. Zum einen wegen der Größe der Laken, aber vor allem auch wegen des Auswringens und Aufhängens. Wem am Strand schon einmal das ganze Handtuch ins Wasser gefallen ist, der kann sich vorstellen, wie schwer so ein nasses Laken sein kann.

FEGEN
Fegen ist eigentlich wie in Deutschland, ich wollte nur erwähnen, dass hier auch statt Besen getrocknete Palmblätter zusammengebunden werden. Die säubern super, man muss sich nur ein bisschen mehr bücken – und es ist kein Plastik involviert.

ESSEN SELBER MACHEN
Ich kann mir in der Küche selber Essen machen, wenn ich hungrig bin. Noch habe ich aber extrem großen Respekt vor dem Gasherd. Für alles, was Strom verbraucht, muss man die Steckdosen extra anschalten – das finde ich total gut, weil es einen bewussteren Energiekonsum gewährleistet.
MÜLL VERBRENNEN
Wie gesagt, verbrennen wir allen Nicht-Biomüll, weil das Müllabfuhrsystem Ghanas noch nicht in Kokrobite angekommen ist. Wir sammeln getrennt von dem Rest des Abfalls alte Wasserflaschen, die man verkaufen kann – sie werden dann gesäubert und mit Öl befüllt auf dem Markt weiterverkauft. Zur Müllverbrennungsstelle unseres Hauses bringt man also seine vollen Müllbeutel, einen Stock, ein Feuerzeug und alte Plastiktüten mit. Dann zündet man entweder den Müll direkt an oder baut sich eine „Fackel“, indem man die Plastiktüten um den Stock wickelt. Wenn das Plastik brennt, kann man es nämlich einfach auf den Müll tropfen lassen und das Feuer so besser verteilen. Dann wartet man darauf, dass aller Müll verbrennt und gegebenenfalls stochert man nochmal mit der „Fackel“ ein bisschen herum, um alles zu erwischen. Der Rauch riecht übrigens übel und brennt sehr in den Schleimhäuten.
BAD
Eigentlich habe ich hierzu schon alles geschrieben, ich wollte nur verkünden, dass momentan Regenwürmer aus meinem Abfluss kommen, wenn Wasser reinläuft. Von ähnlichen Vorfällen solcher Art haben aber Issah und Mara, die übrigens heute leider zurück nach Deutschland geflogen ist, noch nie etwas gehört. Wir wollen jetzt erstmal Gift besorgen und in den Abfluss kippen, in der Hoffnung, dass das hilft. (Ich muss nochmal rausfinden, wohin das Ganze fließt). Auch sonst kriege ich manchmal – trotz des Mückengitters an Fenstern und Tür – Besuch von ungebetenen Gästen: Hier ein Bild von einer Raupe so groß wie mein kleiner Finger, die mich vor einiger Zeit im Bad erschreckt hat.

Insgesamt ist alles haushaltsmäßige deutlich aufwändiger als in Deutschland, aber ich komme gut zurecht. Trotzdem werde ich den Luxus von Mülleimern und einer Waschmaschine ganz anders zu schätzen wissen, wenn ich irgendwann wieder in Deutschland bin. 🙂
1 Kommentar zu „Haushalt“
Wie schwierig es doch ist, in Ghana sauber und gepflegt zu bleiben! Ein uns völlig unbekannter Aufwand! – Ich verstehe nun, dass es viele Gründe gibt, bunte Kleider anzuziehen! Liebe Grüße aus MS!